Die „Entstehung“ der Städtetouren

Im Sommer 2006 erschien im Maintaler Tagesanzeiger ein Aufruf vom SeniorenOffice, dass für ein neues Projekt ’Städtetouren’ und die damit verbundene organisatorische Aufgaben ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht werden.

Für die erste Gesprächsrunde haben sich Frau Lackner, Frau Conrad, Herr Seipp und ich im SeniorenOffice eingefunden. Frau Conrad sollte das von ihr vorgeschlagene Projekt betreuen und als Ziel wurde die Stadt Gelnhausen zur Diskussion gestellt.

Eine Städtetour mit Überraschung und Lerneffekt…wie es sich später noch herausstellen wird. Eine Städtetour nach Gelnhausen wurde von mir besonders begrüßt, da ich Gelnhausen gut kenne und auch schon an einer historischen Stadtführung teilgenommen hatte.

Das Tagesprogramm wurde gemeinsam zusammengestellt und beinhaltete eine Stadtführung, ein gemeinsames Mittagessen, Freizeit, und eine geführte Besichtigung der Marienkirche. Dieser Tagesablauf der Städtetour für Gelnhausen ist auch heute noch weitgehend unser Konzept geblieben.

Von Frau Conrad wurden noch in der Planungsphase Bedenken geäußert, dass die Resonanz der Senioren doch nicht so ausfallen könnte, dass der Bus ausgebucht ist (Kostenkalkulation). Ich war Optimist und habe darauf hingewiesen, dass unbedingt Werbung in den Vereinen und über die Presse stattfinden muss. Der Beweis und der Erfolg: Bus war voll besetzt.

Die Flyer für die Städtetouren wurden später entworfen.

Die Städtetour nach Gelnhausen fand bei einem tollen Wetter, einer niveauvolle und lustigen Stadtführung und einem schmackhaften Mittagessen statt. Es war einfach alles toll…..bis nach der Führung in der Marienkirche.

Am Ausgang der Marienkirchen war unsere Seniorengruppe noch vollzählig. Nur wenige Meter gingen wir gemeinsam durch die Fußgängerzone, an verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten vorbei zum Bus. Hier waren wir nicht mehr vollzählig angekommen. Es fehlte eine Seniorin. Wer war diese Person und wie sah sie aus? Eine Rückfrage bei den Senioren über die Bekleidung der fehlenden Person fiel sehr unterschiedlich aus und ergab keine gesicherten Anhaltspunkte. Wir entschieden uns für eine Suchaktion.

Frau Conrad durchstreifte mit einer Seniorin, der die fehlende Person bekannt war, den nördlichen und ich den südlichen Innenstadtbereich. Über Handy hatten wir untereinander Verbindung. Aber ohne Erfolg trafen wir wieder am Bus zusammen.

Wir diskutierten über die weitere Vorgehensweise. Herr Arnrich (Ritchi), damals noch kein Teammitglied, gab den Hinweis am Bahnhof von Gelnhausen zu suchen. Dieser Vorschlag wurde mit dem Hinweis verworfen, die Vermisste wäre etwas senil, was aber nicht stimmte. Eine noch längere Wartezeit für die Rückfahrt nach Maintal konnten wir unseren Senioren, die im Bus saßen nicht mehr zu muten.

Ich fasste den Entschluss, die Senioren in Begleitung von Frau Lackner nach Maintal fahren zu lassen. Gleichzeitig bat ich telefonisch meinen Mann schnellstmöglich mit dem PKW nach Gelnhausen zu kommen. Frau Conrad und die Seniorin, die unsere Vermisste kannte, blieben mit mir in Gelnhausen zurück. Für die weitere Suchaktion trennten wir uns.

Frau Conrad und die Seniorin gingen zur Polizeistation, um dort Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Ich entschied mich noch einmal durch die Innenstadt zu laufen. Mir ließ allerdings der Hinweis von Herrn Arnrich keine Ruhe und ich begab mich zum Bahnhof, der etwas außerhalb liegt. Am Fahrkartenschalter wurde mir bestätigt, dass vor kurzem eine Fahrkarte nach Maintal verkauft wurde.

Ich eilte sofort zu den Bahnsteigen. Da saß sie, unsere Vermisste, mit ihren Tüten auf einer Bank am Bahnsteig. Ich rief über die Gleise hinweg ihren Namen. Und sofort setzte sich die Dame in Bewegung.

Frau Conrad wurde von mir sofort telefonisch über meinen Erfolg informiert. Aber die Damen saßen schon im Polizeiauto, das sie dann aber zum Bahnhof fuhr. Ich teilte telefonisch mein Suchergebnis auch den Teilnehmern im Bus mit. Die wieder gefundene Seniorin bekam sogar ihr Fahrkartengeld wieder zurück.

Nach dem Eintreffen meines Mannes sind wir alle erleichtert mit dem PKW nach Maintal zurückgefahren. Wir haben unsere ’Wieder gefundene’ vor der eigenen Haustür abgesetzt.

Nach dieser ersten Städtetour kamen Frau Korschinek und Herr Arnrich ins Team.

Durch die erfolgreiche Tour nach Gelnhausen wurden noch im gleichen Jahr zwei weitere Städte besucht.

Auf Grund der großen Nachfrage der Maintaler Senioren fahren wir seit Sommer 2007 jedes Ziel zweimal an. Die nachfolgenden Städtetouren konnten durch unsere Erfahrungen immer mehr organisatorisch verbessert werden. Auch die Verbesserungsvorschläge unserer Senioren fließen, soweit möglich, in die Abläufe der Städtetouren mit ein. Nur der Ticketverkauf wird uns alle nie zufrieden stellen und auch in der Zukunft immer ein Problem bleiben.

Verfasst von Barbara Chr. Lelonek-Schmitt